Der Windpark Schenkelberg I ist der geographisch nächstgelegene vergleichbare Windenergiestandort im Westerwaldkreis. Standort, Topographie (bewaldeter Höhenrücken, südlicher Westerwald, ca. 395 m ü. NN) und naturräumliche Einordnung sind mit dem geplanten Standort „Drei Eichen“ (Gemarkungen Vielbach, Leuterod, Helferskirchen, Quirnbach) vergleichbar.
Die Planungsgemeinschaft Mittelrhein-Westerwald hat das Gebiet „Drei Eichen“ in ihrer Ausweisung von Vorrangflächen für Windenergie nicht berücksichtigt – obwohl sie unter gesetzlichem Druck steht, bis 2026/2027 mindestens 1,4 % der Regionsfläche auszuweisen. Dies legt nahe, dass der Standort nach den verwendeten Bewertungsparametern (Windhöffigkeit, Restriktionsflächen, Abstandskriterien) nicht als prioritär eingestuft wurde.
Die EVM (Energieversorgung Mittelrhein AG) plant für „Drei Eichen“ sieben Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von rund 242 m und einer Nennleistung von je ca. 5–6 MW. Die Gesamtinvestition dürfte bei 56–70 Mio. € liegen. Auf der Grundlage der vorliegenden Vergleichsdaten ergibt sich folgende kritische Fragestellung:
- Wenn der nächstgelegene Vergleichsstandort im selben Naturraum nach 10 Betriebsjahren keinen einzigen Euro Jahresüberschuss ausgewiesen hat und eine Standortgüte von 51,5 % erreicht (Wirtschaftlichkeitsschwelle: ≥ 80 %):
- Und wenn dieser Vergleichsstandort bereits unter dem günstigeren alten EEG-Festpreissystem (ca. 9–10 ct/kWh garantiert, ohne Ausschreibungswettbewerb) nicht in die Gewinnzone gelangt ist:
- Auf welcher Datengrundlage geht die EVM davon aus, dass der Standort „Drei Eichen“ – mit Anlagen, die sechsmal so teuer sind und im heutigen Ausschreibungssystem mit niedrigeren Vergütungssätzen auskommen müssen – wirtschaftlich tragfähig ist?
- Liegen der Verwaltung der Verbandsgemeinden Wirges und Selters Windhöffigkeitsmessungen oder Ertragsgutachten für den Standort „Drei Eichen“ vor – und wenn ja, warum wurden diese der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht?
- Wer trägt das Rückbaurisiko (Bürgschaften), wenn der Betreiber in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät?
Die Analyse des Windparks Schenkelberg I liefert keinen Beweis dafür, dass „Drei Eichen“ unwirtschaftlich wäre – die Windverhältnisse können im Einzelfall abweichen. Sie begründet jedoch einen konkreten, durch öffentlich zugängliche Daten belegten Zweifel an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Projekts. Dieser Zweifel rechtfertigt die Forderung nach vollständiger Offenlegung der Windhöffigkeitsdaten und Wirtschaftlichkeitsprognosen durch die EVM, bevor politische Beschlüsse zur Bauleitplanung gefasst werden.


Quelle: Marktstammdatenregister