Immer wieder ist von drohender „Wasserknappheit“ in Deutschland die Rede. Ein Blick auf die aktuellen Daten des Umweltbundesamts (UBA) zeichnet allerdings ein deutlich entspannteres Bild: Deutschland nutzt nur einen kleinen Bruchteil seiner verfügbaren Wasserressourcen – und dieser Anteil sinkt seit Jahrzehnten kontinuierlich.

Nur gut 10 % des Wasserdargebots werden genutzt
Im Jahr 2022 entnahmen alle großen Wassernutzer Deutschlands zusammen – Energieversorgung, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe, öffentliche Wasserversorgung sowie Landwirtschaft – rund 17,9 Milliarden Kubikmeter Wasser aus Grund- und Oberflächengewässern. Dem steht ein langjähriges potenzielles Wasserdargebot von 176 Milliarden Kubikmetern gegenüber (Mittel der Jahre 1991–2020).
Das bedeutet: Nur 10,1 % der verfügbaren Wassermenge werden tatsächlich entnommen. Fast 90 % des Wasserdargebots bleiben ungenutzt und stehen der Natur, den Flüssen, Seen und dem Grundwasser zur Verfügung.
Quelle: Umweltbundesamt
Der Wassernutzungs-Index liegt seit fast zwei Jahrzehnten deutlich unter der kritischen Marke
Fachlich wird genau dieses Verhältnis von Entnahme zu Dargebot im sogenannten Wassernutzungs-Index abgebildet. Als international anerkannte Warnschwelle für „Wasserstress“ gilt ein Wert von 20 %. Deutschland liegt mit 10,1 % nicht nur unter dieser Schwelle – der Index befindet sich bereits seit 2007 durchgehend im unkritischen Bereich. Noch deutlicher wird die positive Entwicklung im historischen Vergleich: Gegenüber 1991 hat sich die Gesamtwasserentnahme um 55,5 % verringert. Einzelne Sektoren haben ihren Verbrauch besonders stark gesenkt:
- Energieversorgung: 76 % weniger Wasserentnahme als 1991
- Bergbau und verarbeitendes Gewerbe: 53 % weniger
- Öffentliche Wasserversorgung: rund 18 % weniger
Nur die Landwirtschaft verzeichnet einen Anstieg – allerdings von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau: Sie ist mit 2,5 % der Gesamtentnahmen (bzw. weniger als 0,3 % des gesamten Wasserdargebots) der mit Abstand kleinste Wassernutzer.

Grundwasser bildet sich über Jahre, nicht über Wochen
Ein weiterer Punkt, der in der öffentlichen Debatte oft übersehen wird: Eine trockene Sommerperiode – auch wenn sie sich über mehrere Wochen oder gar Monate zieht – sagt für sich genommen wenig darüber aus, ob Deutschland ein Grundwasserproblem hat. Grundwasser bildet sich nicht kurzfristig, sondern über längere Zeiträume neu; entscheidend ist, wie viel Niederschlag insgesamt über das ganze Jahr verteilt fällt, nicht ob ein einzelner Sommer trocken war.
Und hier zeigen die Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im Grunde das Gegenteil eines Rückgangs: Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge in Deutschland ist seit Beginn der Aufzeichnungen 1881 laut linearem Trend um rund 8 % gestiegen. Allerdings verteilt sich dieser Anstieg nicht gleichmäßig auf die Jahreszeiten – die Winter sind deutlich nasser geworden, während die Sommerniederschläge geringfügig zurückgegangen sind. Das erklärt, warum trockene Sommer subjektiv präsenter wahrgenommen werden, obwohl die Jahresbilanz insgesamt nicht sinkt, sondern sogar leicht steigt. Ergänzend liefern die milderen, niederschlagsreicheren Winter zusätzliche Zeit und Wassermengen für die Grundwasserneubildung, die typischerweise vor allem im Winterhalbjahr stattfindet, wenn Verdunstung und Pflanzenwachstum gering sind.
Ein trockener Sommer ist also in erster Linie ein kurzfristiges, regionales Phänomen – kein Beleg dafür, dass Deutschland langfristig weniger Wasser zur Verfügung steht.

Fazit
Die Datenlage des Umweltbundesamts spricht eine klare Sprache: Mit einer Entnahmequote von gut 10 % eines 176-Milliarden-Kubikmeter-Dargebots, einem seit 2007 unter der Stresssschwelle liegenden Nutzungsindex und einem langfristig stark rückläufigen Verbrauchstrend gibt es in Deutschland gesamtstaatlich betrachtet keinen Wassermangel. Im Gegenteil: Der überwiegende Teil der heimischen Wasserressourcen steht nach wie vor ungenutzt der Natur zur Verfügung.