Seit dem 20. Februar herrschen wettertechnisch günstige Bedingungen für die Befüllung der deutschen Gasspeicher – genutzt wurden sie kaum. Aktuell steht der deutsche Speicherstand bei rund 41–44 Prozent, gut 10 bis 13 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Europaweit liegt der Füllstand bei etwa 51 Prozent, ebenfalls rund 12 Prozentpunkte niedriger als vor einem Jahr.

Verschärft wird die Situation durch den nach wie vor andauernden Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Die Kriegsrisikoversicherung für Schiffspassagen durch die Meerenge von Hormuz stieg von 1,5 auf 3 Prozent – das Zwanzigfache des Normalwerts.
Der Verband INES hatte in seinen neuesten Gas-Szenarien errechnet, dass technisch ein Füllstand von 76 Prozent bis Ende Oktober/Anfang November möglich wäre – diese Zahl basiert allerdings auf gebuchten Kapazitäten, nicht auf tatsächlichem Einspeicherverhalten. Der Fachverband DVGW rechnet realistischer mit rund 66 Prozent (rund 10% unte dem Vorjahreswert!) zum Winterbeginn mit der Einschränkung: Das Ziel sei nur bei einer Steigerung der Importrate erreichbar, die derzeit nicht stattfindet.
Grund dafür ist die aktuelle Preisstruktur am Gasmarkt: Der TTF-Erdgas-Future notiert aktuell bei rund 48 Euro, während die Preise für Januar und Februar bei 46–47 Euro liegen – niedriger als jetzt. Für Händler entfällt damit der wirtschaftliche Anreiz, im Sommer einzuspeichern und im Winter teurer zu verkaufen.
Die zuletzt gemeldeten Nettoimporte lagen bei 1,76 statt der ursprünglich erwarteten 2,47 Terawattstunden pro Tag. Bei anhaltend niedrigen Importraten könnte der deutsche Speicherstand bis Jahresende auf etwa 44 Prozent fallen – zum Vergleich: Ende 2025 lag er bei rund 57 Prozent, und selbst dieser Wert wurde nur durch einen milden Winterwettereinbruch knapp vor der kritischen 20-Prozent-Marke gehalten.
Regional zeigt sich das Bild unterschiedlich: Während Speicher wie Haidach gut gefüllt sind, liegen süddeutsche Anlagen wie Breitbrunn (10 %), Inzenham (12 %) oder Wolfersberg (2,7 %) auf sehr niedrigem Niveau. Frankenthal ist praktisch leer, Stockstadt liegt bei 23 Prozent.
Die Importe liegen mit rund 26–27 gegenüber 29 im Vorjahr niedriger, während die Exporte konstant blieben – netto bleibt damit weniger Gas für die Einspeicherung übrig.
Quelle: Tichys Einblick