Windrad-Lärm in Leckmart: Kein Gutachten trotz Dauerbeschwerden

Seit Mai 2025 klagen Anwohner rund um den Windpark Herrscheid – betroffen sind vor allem Leckmart, Oedingen, Brenschede und Cobbenrode im Hochsauerlandkreis – über Brumm- und Schlaggeräusche der vier Anlagen von Betreiber ABO Energy (je 5,5 MW, rund 200 Meter hoch, seit Ende März 2025 in Betrieb). Ein Wohnhaus in Leckmart steht nur 730 Meter von der nächsten Anlage entfernt.

Mitte Juli 2026 haben Hochsauerlandkreis und Kreis Olpe bestätigt, dass technische Defekte an den Azimutbremsen tatsächlich unzulässigen Lärm verursacht haben – das bestreitet auch der Betreiber nicht. Ungeklärt bleibt aber der ganz normale Regelbetrieb: Der Kreis führt hier bislang nur grobe eigene Messungen durch und würde erst bei Auffälligkeiten eine unabhängige Abnahmemessung veranlassen. Diese Schwelle wurde nach Angaben der Behörde nie erreicht, obwohl Anwohner durchgehend von Brummen und Schlafstörungen berichten. Warum das so lange dauert, lässt sich nicht abschließend klären – am ehesten scheint es an dieser behördlichen Verfahrenslogik zu liegen. Ob die desolate finanzielle Lage von ABO Energy dabei zusätzlich eine Rolle spielt, ist naheliegend, wird aber in keiner der ausgewerteten Quellen belegt.

Diese finanzielle Lage ist tatsächlich ernst: ABO Energy meldete für 2025 einen Verlust von rund 170 Millionen Euro, verlor die Hälfte seines Grundkapitals und hält sich nur über eine Stillhaltevereinbarung mit den Gläubigern über Wasser. Bis Ende Juli 2026 braucht das Unternehmen eine tragfähige Finanzierungslösung, sonst droht eine Insolvenz – formal ist sie aktuell aber nicht insolvent, und das operative Geschäft läuft mit neuen Projektgewinnen weiter.

Sollte ABO Energy tatsächlich insolvent werden, ändert das an den Lärmschutzpflichten wenig: Genehmigung und Auflagen hängen an der Anlage, nicht an der Bonität des Betreibers. Praktisch könnte eine Insolvenz die Klärung aber durch Zuständigkeitswechsel und knappe Mittel zusätzlich verzögern.

Leckmart ist dabei kein Einzelfall. Allein aus 2025/26 lassen sich mindestens zwei weitere unabhängig dokumentierte Fälle mit ähnlichem Muster nennen: der Windpark Königseiche bei Baiereck (Kreis Göppingen), wo eine DEKRA-Messung 2026 eine unzulässige Tonhaltigkeit bestätigte und die Anlagen gedrosselt werden mussten, sowie ähnliche Brumm- und Wischgeräusch-Beschwerden im Nassachtal. Eine für 10 Millionen € errichtete Windindustrieanlage in Oberwiera wird nun nach 2 Jahren Brummgeräuschen wieder abgebaut.

Aktuelle Studien belegen, dass gängige Lärmmodelle die Wirkung moderner, großer Anlagen systematisch unterschätzen – das würde erklären, warum formal genehmigte Anlagen trotzdem als störend wahrgenommen werden.

Quelle: Blackout News