Am 11. Mai 2026 erreichte uns die Leserzuschrift von Frau H., die wir anonym hier veröffentlichen und gerne beantwortet haben. Wir freuen uns immer über einen konstruktiven Dialog.
Betreff: Schämt ihr euch eigentlich nicht?
Ich bin durch Zufall auf ihrer Webseite gelandet. Ich würde mir eigentlich wünschen, die Seite nicht gesehen zu haben, da es mich viele Lebensjahre gekostet hat, da ich mich massiv aufgeregt habe.
Wie kann man so viele Unwahrheiten verbreiten und AfD und Co so immer weiter Menschen zu spielen? Dies zeugt von null Verantwortungsgefühl und absolut fehlenden Weitblick. Besonders die zuletzt gegen eine kleine Gemeinde aus dem Westerwald geäußerte. Vorwürfe sind der absolute Hammer. Sie sollten sich freuen, dass es noch Bürger gibt, die sich in Gemeinderäten engagieren. Sie treiben die Gemeinden immer mehr in die Gesamtverantwortung von Verbandsgemeinden und Kreisen. Wenn sie so weitermachen, wird es in wenigen Jahren keine Ortsgemeinden mehr geben, und alles pauschal von oben herunter durch den Kreis oder das Land bestimmt. Aber dann finden sie bestimmt auch wieder Schuldige!
Mit freundlichen Grüßen
Guten Morgen Frau H.,
vielen Dank für Ihre Zuschrift. Wir freuen uns immer, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen – wir müssen doch alle viel mehr miteinander reden und in den Dialog kommen, oder nicht? Auch und gerade wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Das gehört zur Debattenkultur dazu, ist enorm wichtig und war in der Vergangenheit eine Stärke unseres Landes!
Gerne nehme ich mir die Zeit, auf Ihre Email näher einzugehen.
Zunächst möchte ich Sie aber bitten, den Vorwurf zur Verbreitung von Unwahrheiten durch unsere Bürgerinitiative bzw auf der Website zu konkretisieren. Wir korrigieren selbstverständlich jeden Fehler, den Sie uns sachlich ausreichend durch Fakten belegen können.
Tatsächlich übernehmen wir als Bürgerinitiative selbst Verantwortung für unsere Region und engagieren uns selbst konstruktiv sachlich und eigen-/spendenfinanziert in Stadt- und Verbandsgemeinderat von Höhr-Grenzhausen. Wir wenden sehr viel unserer (Frei-)zeit für diese Arbeit auf, da wir es ebenso wie Sie als eine Notwendigkeit betrachten, die Interessen der Menschen vor Ort zu vertreten. Engagieren Sie sich ebenfalls in einem Gemeinderat?
Ich stimme Ihnen zu, dass eine weitere Zentralisierung abzulehnen ist und die Ortsgemeinden bereits jetzt viel zu sehr fremd bestimmt sind durch Verbandsgemeinde, Kreis und Land. Das ist ein großes Problem, die Menschen vor Ort müssen selbst bestimmen dürfen, was sie direkt betrifft! Leider ist dies aber schon jetzt der Fall: Über Parteipolitik auf kommunaler Ebene bspw. oder über Planungsgemeinschaften, die Regionale Raumordnungspläne erstellen, die dann von oben runter die Bebauung unserer Naturparks und Vogelschutzgebiete anordnen. Die Windindustrie wurde pauschal als nationales Interesse definiert und über ALLE anderen Schutzgüter gestellt.
Dies übrigens durch die Ampelkoalition und auch die schwarz-rote Koaltion.
Gegen diesen Umstand setzen wir uns zur Wehr und setzen uns ein für den Schutz von Natur, Wald, Wasser, Gesundheit und allgemein Landschaft. Denn aufgrund unserer Schwachwindlage ist der Bau von Windindustrieanlagen, die hier ca 300 m hoch sein müssen, um dann maximal 20% des Jahres überhaupt einen Ertrag zu bringen, leider abzulehnen.
Die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen wird allein über Subventionen gesichert: Politisch wurde der Anreiz an schlechten Windstandorten zu bauen über eine höhere EEG Vergütung geschaffen. Übersetzt heißt das: „Baut Windindustrieanlagen an Standorten, die keinen Ertrag bringen und ihr bekommt mehr Geld für den nicht produzierten Strom.“
Mit effizienter Stromerzeugung hat das – leider – gar nichts zu tun. Übrigens zahlen auch Sie diese massiven Kosten! Freuen Sie sich, wenn Sie Ihre Stromrechnung oder Steuern zahlen? Oder haben auch Sie das Gefühl, dass alles ständig teurer und unbezahlbarer wird?
Ich verstehe natürlich, dass Gemeinden Einnahmequellen brauchen. Jedoch sollten sie gar nicht dazu gezwungen sein, diese massiven Risiken eingehen zu müssen! Wir sehen das Problem viel mehr darin, dass Einnahmen in viel zu hohem Maße aus den Gemeinden von Kreis, Land und Bund abgesaugt werden und gleichzeitig die Pflichten wie Essensversorgung von Kindergartenkindern kostenmäßig auf Gemeinden abgewälzt werden. Die Politik in Bund und Land spart an Rentnern und Krankenversicherung der Bürger, erhöht sich aber gerne rückwirkend die eigenen Gehälter und gibt Milliardenbeträge für die Finanzierung fremder Kriege, Genderprojekte in Pakistan oder
Radwege in Peru aus. Die Bundeswehr kann aktuell nicht erklären, für was man einen Betrag von 111 Milliarden Euro eigentlich ausgegeben hat. Dies sind nur einige Beispiele, es versichern laufend Milliarden.
Finden Sie nicht auch, dass es Zeit wäre, von kommunaler Seite diese Dinge scharf zu kritisieren, statt sich zwingen zu lassen, im Grunde für Peanuts die eigene Landschaft verschandeln zu müssen? Sollten wir nicht mal „nach oben“ treten? Der Bundeskanzler hat keine 20% Zustimmung mehr: Wäre es da nicht an der Zeit, die eigene Politik zu überprüfen?
Die versickernden Milliardenbeträge sind nicht auf die AfD zurückzuführen, denn die war/ist bislang in keiner Regierungsverantwortung. Man muß diejenigen kritisieren, die aktuell die Verantwortung tragen und an den Hebeln der Macht sitzen. Und ja: Die Zustimmung der Bürger zu o.g. Politik schwindet rasant – dennoch packt man sich nicht an der eigenen Nase und hinterfragt sich, sondern macht selbstherrlich weiter, erhebt neue Steuern. Kann man den Bürgern vorwerfen, dass sie sich davon abwenden und diese Selbstbedienungs-Politik, die immer nur am eigenen Volk spart – nicht mehr unterstützen möchten?
Zur genannten kleinen Gemeinde „Vielbach“:
Es ist nachvollziehbar, dass diese nach Einnahmequellen sucht, was ja sogar offen benannt und zugegeben wird. Es ist aber unethisch, den Menschen dies mit dem Argument der Klimarettung verkaufen zu wollen: Es geht ganz klar um das monetäre Interesse. Und leider ist das Geschäft mit extremen Risiken behaftet, die von den Bürgervertretern offensichtlich nur ungern gesehen und besprochen werden bzw. vor denen man die Augen einfach verschließt. Vielleicht lassen Sie sich das aktuelle Beispiel bei Nastätten zur Warnung dienen:
https://wir-fuer-hoehr-grenzhausen.de/abo-energy-verkauft-windindustriegebiet-bei-nastaetten/
Der Projektierer ABO Energy (der übrigens auch bei Dierdorf Märkerwald eine Genehmigung beantragt hat) ist nahe der Insolvenz, die bislang nur durch Stillhalterabkommen mit den Gläubigern abgewendet werden konnte. Das im Bau befindliche Projekt bei Nastätten wurde an eine Asset Management Firma verkauft, die mit 50 000€ eine lächerlich geringe Kapitaldecke hat, dennoch Projekte im mehrstelligen Millionen Bereich verwaltet. Dort ist man auf Gewinnmaximierung aus, ganz sicher nicht auf Stromerzeugung! Man fischt die EEG Millionen gerne ab und zahlt den Flächenverpächtern Peanuts. Und am Ende werden diese leider feststellen, dass ihr Wald langfristig zerstört wurde und sie gucken müssen, wie sie die Gelder für den Rückbau zusammenkriegen.
Der Projektierer ENO Energy ist pleite, was aktuell einige Windindustriegebiete bundesweit betrifft:
https://wir-fuer-hoehr-grenzhausen.de/eno-energy-insolvenz-eines-windkraftpioniers/
Der Projektierer Baywa r.e. (bebaut gerade die Haiderbachhöhe bei Ransbach-Baumbach, Dokumentation hier: https://wir-fuer-hoehr-grenzhausen.de/dokumentation-haiderbachhoehe-ein-wald-wird-zum-industriegebiet/) bzw der Mutterkonzern Baywa wandelt ebenfalls am Rande der Insolvenz, man versucht die Tochter BayWa r.e. nun seit rund einem Jahr erfolglos zu verkaufen. Welche Konsequenzen das für die Haiderbachhöhe bzw Ransbach-Baumbach haben wird, ist derzeit schwer absehbar. Aber rosig sieht das nicht aus.
https://wir-fuer-hoehr-grenzhausen.de/energietochter-baywa-r-e-blockiert-rettung-der-baywa/
Es gibt aktuell mehrere Projektierer und Asset Manager bundesweit, die Pachtverträge nachverhandeln – aber wenn die Anlagen einmal stehen und die Erträge im Haushalt der Gemeinde eingeplant sind, wird JEDE Gemeinde sich auf einen Deal einlassen MÜSSEN. Denn der Spatz in der Hand ist immer noch besser als gar nichts, wird man sagen und lange Gesichter ziehen. Leider handelt es sich dabei um ein Geschäftsmodell der Windbarone, bei der die Gemeinden/Flächenverpächter IMMER den Schwarzen Peter der Rückbauverpflichtung in der Hand halten!
Die Gemeinde Joehstadt ist hier ein weiteres Beispiel und hat diese bereits schmerzlich erfahren müssen:
https://wir-fuer-hoehr-grenzhausen.de/windkraft-im-wald-das-potentielle-finanzdesaster/
Rechtsanwalt Thomas Mock erklärt die aktuelle Lage der Energiewende in diesem Interview sehr gut:
https://www.youtube.com/watch?v=rvffAmNYQIA
Die Konsquenzen der Überkapazitäten bei der Stromerzeugung Ende April/Anfang Mai 2026 rechnet Stefan Spiegelsperger vor und die Zahlen sind
für jedermann bei Energy Charts einsehbar:
https://www.youtube.com/watch?v=Cz_ArsJTXKk
https://wir-fuer-hoehr-grenzhausen.de/teure-pv-strom-ueberkapazitaeten/
Glauben Sie wirklich, dass in unserer aktuellen Lage – der wirtschaftlichen Rezessionen und Insolvenzen (viele Unternehmen wandern ab und schließen Standorte aufgrund extrem hoher Energiepreise), der wegbrechenden Steuereinnahmen, der aufgenommenen Schuldenberge (Sondervermögen), der massiven Haushaltslöcher, weltweiten Blasen in Anleihen- und Aktienmärkten – glauben Sie wirklich daran, dass Milliarden-Subventionen für Überproduktionskapazitäten im Strommarkt noch mindestens 20 Jahre mit jährlichen > 20 Milliarden Euro gezahlt werden? Die Bundeszuschüsse summieren sich seit Anfang 2024 auf 35 Mrd Euro. Die Kosten steigen trotz fallender Marktwerte strukturell weiter – und jede neue geförderte Anlage verlängert und vertieft diese Haushaltslast, während gleichzeitig Negativpreise zeigen, dass der Strom volkswirtschaftlich keinen oder negativen Wert hat.
Vor 20-25 Jahren mag das ein gutes Geschäft gewesen sein – jetzt greifen Sie in ein fallendes Messer. Das Geschäftsmodell kollabiert gerade und man kann es wissen, wenn man es wirtschaftlich genauer betrachtet. Die von Ihnen erwähnte politische Lage wird dazu beitragen: Die Menschen in diesem Land sind von der aktuellen Politik mehr und mehr abgetörnt und wenden sich ab – das belegen alle (Umfrage-)Zahlen. Es ist zu erwarten, dass die AfD in diesem Jahr zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten stellen könnte. Schaut man sich die politische Krise im Land an, würde es mich wundern, wenn die Koalition bis ans Ende der Legislaturperiode durchhält und wir nicht vorgezogene Neuwahlen bekommen. Ich bewerte dies nicht, ich beschreibe nur. Was passiert mit dem EEG und der massiven Förderung der Windindustrie, wenn in den nächsten Jahren die AfD Regierungsverantwortung bekäme? Meine Erwartung ist, dass es nicht so weiterläuft wie bisher. Das EEG kann jederzeit durch Ausrufen eines Notstandes beendet werden – und dann? Vielleicht gelten Verträge dann noch, vielleicht nicht. Aber einem nackten Mann greifen Sie nicht in die Tasche. Das Risiko für die Gemeinden ist enorm.
Ich hoffe, dass Sie meiner Argumentation wenigstens ein stückweit sachlich und unemotional folgen können.
Mit freundlichen Grüßen,
Eva Pucher-Palmer