Erbeben durch Tiefengeothermie?!

In Deutschland werden induzierte Erdbeben mit Lokalmagnituden bis ML = 3,4 durch Tiefe Geothermie dokumentiert. Diese unerwartet starke Seismizität war im Vorfeld kaum kommuniziert worden. Im Oberrheingraben rechnen Experten mit möglichen Maximal-Magnituden von bis zu 6,5 – nicht umsonst gilt die Region als seismisches Risikogebiet. Die seismischen Risiken sind bei größeren Geothermie Anlagen real und dokumentiert.

Seismische Probleme bei der Tiefengeothermie am Oberrhein

Am 15. August 2009 wurden im Umfeld des Landauer Tiefengeothermieprojektes Erschütterungen mit der Magnitude 2,7 und 2,4 erzeugt, die zu Gebäudeschäden führten. Ein offizieller Abschlussbericht einer Expertengruppe stellte fest, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der Seismizität und der geothermischen Energiegewinnung in Landau sehr wahrscheinlich ist. Die Stärke der Beben lag in einem Bereich, in dem leichte nichtstrukturelle Schäden an empfindlichen Gebäuden nicht mehr vollkommen ausgeschlossen werden konnten. Bei späteren erneuten Beben reagierte der Betreiber, indem er den Betriebsdruck schrittweise reduzierte. Zwei Erschütterungen der Stärke 1,4 und 2,0 in der Früh wurden von zahlreichen Bürgern als dumpfes Grollen wahrgenommen, das sie aus dem Schlaf schreckte. Bisher wurden für den Standort Landau insgesamt 54 induzierte Beben belegt.

Das Tiefengeothermieprojekt in Insheim wurde 2012 in Betrieb genommen. Bereits 2013 wurde ein induziertes Erdbeben der Stärke 2,0 registriert. Insider berichten, dass es im laufenden Betrieb immer wieder zu kleineren Erschütterungen kommt – und dass die Anlage nur auf halber Last läuft, da höhere Last zwar die Wirtschaftlichkeit steigern würde, aber auch die Seismizität erhöht. Ein Erdbeben im Januar 2013 ließ Hauswände wackeln und veranlasste mehrere Einwohner von Steinweiler, ihre Häuser zu verlassen. Der Standort Insheim hat bisher 158 menschengemachte Erschütterungen erlebt, darunter auch Ereignisse über Magnitude 2,0.

Das gravierenste Beispiel der gesamten Region ist Vendenheim/Reichstett im Elsass: Ein unabhängiges Gutachten zählt vermeidbare Fehler und Missmanagement beim Betreiber Fonroche auf: Es wurde 5.000 Meter statt der maximal genehmigten 4.800 Meter tief gebohrt, und der Injektionsdruck erreichte 150 bar statt der genehmigten 100 bar. Die Erderschütterungen begannen 2019 und erreichten im Dezember 2020 ihren Höhepunkt mit einer Magnitude von 3,59. Bis Mitte Juli 2021 wurden bereits 3.385 Schadensfälle vor allem an Immobilien registriert. Auch sieben Monate nach Betriebsende hielten die Erdbeben an – das eingepresste Wasser blieb im Untergrund und setzte die Spannungen fort. Die Schadensregulierung verlief für viele Betroffene frustrierend: Versicherungen betrachteten lediglich den Zeitwert der Immobilien – Geschädigten mit einem 30.000-Euro-Schaden wurde teils nur 10 Prozent angeboten. Zudem wurden viele Schäden von den Versicherern gar nicht als erdbebenkausal anerkannt.

Quellen:

  1. https://www.tiefegeothermie.de/news/erneute-erdbeben-landau
  2. https://www.tiefegeothermie.de/news/zu-tief-zu-schnell-mit-zu-viel-druck
  3. https://www.geothermie.de/bibliothek/lexikon-der-geothermie/o/oberrheingraben
  4. https://www.researchgate.net/publication/260248612_Betriebserfahrungen_mit_den_Geothermiekraftwerken_Landau_Insheim_und_Bruchsal
  5. https://www.lgb-rlp.de/fileadmin/service/lgb_downloads/erdwaerme/landau_endbericht_101103_corr.pdf
  6. https://www.bi-gegen-tiefengeothermie-so.de/erdbeben
  7. https://bundesverband-tiefengeothermie.de/index.php/aktuelles/nachrichten?view=article&id=32&catid=2
  8. https://erdbebennews.de/2021/06/strassburg-erdbeben-kontrollverlust/
  9. https://bnn.de/mittelbaden/ortenau/schaeden-durch-tiefengeothermie-projekt-im-zweifelsfall-zahlt-der-buerger-selbst
  10. https://www.wochenblatt-reporter.de/wochenblatt-bruhrain/c-lokales/erdbeben-vor-unserer-haustuer_a295074