Hitzetote

Die Zahl der Hitzetoten ist eine Modellschätzung der Übersterblichkeit. Liegt das Wochenmittel über zwanzig Grad und die Sterblichkeit über dem Erwartungswert, gilt die Differenz als hitzebedingt. Wer in einer heißen Woche stirbt, stirbt mit Hitze – so wie er im November mit Regen stirbt und im Januar mit Heizung. Der Logik folgend haben wir also demnächst auch Regentote und Heizungstote.

Hauptsache Panik!

Hitze: Behaglichkeit, Leistungsfähigkeit, Überleben

Wie heiß ist zu heiß?

Lufttemperatur allein sagt wenig über die tatsächliche Belastung aus. Die Feuchtkugeltemperatur (Tw) kombiniert Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

35 °C
40 %
Feuchtkugeltemperatur
Einordnung
Behaglichkeitsgrenze (Tw ≈ 21 °C) Leistungsfähigkeitsgrenze (Tw ≈ 30,5 °C) Theoretische Überlebensgrenze (Tw ≈ 35 °C)

Grenzwerte sind eine illustrative Synthese aus der Literatur (u.a. Vecellio et al. 2022, PSU HEAT Project; Vanos et al. 2023, Nature Communications), eingeordnet nach dem Drei-Domänen-Rahmenwerk von Filingeri & Koch Esteves (2025, Experimental Physiology). Keine offizielle medizinische Empfehlung.

Hitze bezeichnet einen Zustand hoher Umgebungswärme, der die Fähigkeit des Körpers zur Wärmeabgabe (Thermoregulation) belastet. Entscheidend ist dabei nicht allein die Lufttemperatur, sondern das Zusammenspiel aus Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Strahlung – denn der Körper kühlt sich vor allem über die Verdunstung von Schweiß, und diese funktioniert nur, wenn die Luft die entstehende Feuchtigkeit auch aufnehmen kann.

  • Lufttemperatur (Ta): trockene Temperatur, gemessen im Schatten – die "klassische" Wettermeldung. Sagt für sich genommen wenig über die physiologische Belastung aus.
  • Feuchtkugeltemperatur (Tw): Temperatur eines befeuchteten Thermometers, das durch Verdunstungskühlung abkühlt. Kombiniert Temperatur und Luftfeuchtigkeit und ist damit der bessere Indikator dafür, ob der Körper noch Wärme loswerden kann. Bei sehr hoher Feuchte nähert sich Tw der Lufttemperatur an, bei trockener Luft liegt sie deutlich darunter.

Solange die Luftfeuchtigkeit niedrig bleibt, liegt die Feuchtkugeltemperatur weit unter den kritischen Grenzen. Ein Temperaturrekord bei trockener Hitze ist physiologisch etwas anderes als dieselbe Lufttemperatur bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Eine aktuelle Arbeit von Filingeri & Koch Esteves ("How hot is too hot for people? A review of empirical models of perceptual, physiological and functional limits of human heat tolerance", Experimental Physiology, online seit August 2025) unterscheidet die drei Domänen: perzeptuell (Behaglichkeit), funktional (Leistungsfähigkeit) und physiologisch (Grenze der Kompensierbarkeit/Überleben).