
Die Liste der Insolvenzen liest sich wie ein Who’s who der deutschen Solarwirtschaft: Fellensiek Projektmanagement aus Jever, einer der bedeutendsten Solarentwickler des Landes, scheiterte an Millionenforderungen eines Investors nach Bauverzögerungen. MEC Energy — Entwickler mehrerer großer Solarparks in Bayern und Niedersachsen — wurde vom Amtsgericht Düsseldorf für zahlungsunfähig erklärt. Adler Smart Solutions strebte noch im Februar 2024 die Marktführerschaft an; im Herbst war das Hamburger Unternehmen insolvent. Und der europäische Solar-Riese Sun Contracting meldete Ende Oktober 2025 mit fünf Tochtergesellschaften und 47 Millionen Euro Schulden Konkurs an.
Hinter den Insolvenzen steckt kein Zufall, sondern ein strukturelles Problem:
- Netzanschluss. Wer einen Solarpark plant, wartet heute im Schnitt Monate auf die bloße Zuweisung eines Anschlusspunkts — in Extremfällen Jahre. In Bayern stehen 25 GW an erneuerbaren Energien in der Netzwarteschlange. Das Kapital ist gebunden, die Erlöse bleiben aus. Das BASF-Projekt bei Frankenthal illustriert das Problem beispielhaft: Ein 130-MW-Solarpark auf 100 Hektar ist baureif geplant — doch die Pfalzwerke verweigern den Anschluss, weil das lokale Verteilnetz schlicht überlastet wäre. Baubeginn: unbekannt.
- Negative Strompreise fressen Margen. 2025 gab es fast 600 Stunden mit Börsenstrompreisen nahe oder unter null. In diesen Stunden — oft sonnige Mittage, genau wenn Solarparks am meisten produzieren — verdienen Betreiber nichts oder müssen sogar abregeln. Das EEG 2027 plant zudem, dass Betreiber in Hochpreisphasen Marktprämien zurückzahlen müssen. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung vieler Projekte bricht damit zusammen.
- Finanzierungsdruck ohne Netz. Banken werden nervöser. Wer keinen gesicherten Netzanschluss und keine klare Vergütungsperspektive hat, bekommt kaum noch Kapital — und das bei Projektlaufzeiten von oft fünf bis sieben Jahren vom ersten Flächenkontakt bis zur Inbetriebnahme.
Quellen: AgrarHeute, AgrarHeute, AgrarHeute, AgrarHeute