TÜV: Windindustrieanlagen sind tickende Zeitbomben

Rund 30.000 Windräder drehen sich in Deutschland – ohne dass die Gesamtanlage einer gesetzlich vorgeschriebenen unabhängigen Prüfung unterliegt. Seit 2018 bereits fordert der TÜV umfassende Sicherheitskontrollen bei Windindindustrieanlagen – vergebens. Jeder Kindersitz und Schwimmflügel muß TÜV geprüft sein!

Während in Deutschland grundsätzlich alles reguliert und kontrolliert zu werden scheint, können riesige Windkraftanlagen als Gesamtanlage bisher ohne bundesweit einheitliche und unabhängige Kontrollen aller ihrer Teile betrieben werden.

Oliver Luksic, FDP-Bundestagsabgeordneter

Windkraftanlagen fallen in Deutschland unter das Baurecht, das lediglich ihre Standsicherheit regelt. Zusätzlich müssen die in den Türmen eingebauten Servicelifte sowie bestimmte Druckbehälter von unabhängigen Sachverständigen geprüft werden – die Gesamtanlage jedoch nicht.

Was es gibt, ist eine sogenannte „Wiederkehrende Prüfung“: Nach 2004 errichtete Anlagen müssen alle zwei Jahre überprüft werden. Betreiber können diesen Zeitraum jedoch auf vier Jahre verlängern, wenn sie regelmäßige Wartung nachweisen. Verbindliche Anforderungen an Kompetenz oder Unabhängigkeit der Sachverständigen existieren dabei nicht. Für Anlagen, die vor 2004 gebaut wurden – rund die Hälfte aller deutschen Windräder –, ist nicht einmal diese eingeschränkte Regelung verpflichtend.

Der TÜV-Verband fordert seit Jahren, Windkraftanlagen wie Aufzüge, Tankstellen oder Druckbehälter in den Geltungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung aufzunehmen und mindestens alle zwei Jahre nach verbindlichen Vorgaben von wirklich unabhängigen Stellen prüfen zu lassen. Ein von Reusch Rechtsanwälte im Auftrag des TÜV-Verbands erstelltes Gutachten kommt zu dem Schluss, eine solche Prüfpflicht sei „unabdingbar“. Nach Berechnungen des Verbands ereignen sich jährlich rund 50 gravierende Schadensfälle an deutschen Windrädern. „Im Grunde ist es nur eine Frage der Zeit, bis bei einer Windrad-Havarie Menschen zu Schaden kommen“, warnt der Verband.